Montag, 15. März 2010
Frau Betriebsrätin
Doch das ganze Theater rund um die BR-Wahl und die dazugehörige Presse, hat uns allen einen Strich durch die Rechnung gemacht und jenen Stimmen gebracht, die wir eigentlich einbremsen wollten. Wir erhielten von insgesamt 39 Mandaten ganze 5. Nicht viel, doch es ist ein Anfang. Und da ich auf dem 3. Listenplatz kandidierte, bin ich nun Betriebsrätin.
So ganz hat sich das alles noch nicht bei gesetzt. Bin mir noch nicht sicher, auf was ich mich die nächsten 4 Jahre einlasse. Es wird sicher eine spannende Zeit. Ich spüre eine große Veränderung, nicht nur bei mir, sondern auch in meinem direkten Umfeld. Es kann sich keiner mehr entziehen. Es scheint, als würde sich die Spreu vom Weizen trennen.
Gehen wir es also an.
Sonntag, 7. März 2010
Was für eine Zeit!
Der Februar verlief überaus chaotisch. Nichts, aber auch rein gar nichts klappte auf Anhieb! Mein Rechner fing sich ja ‘nen Virus ein und ich musste ihn komplett neu aufsetzen. Ich war gerade fertig damit und ich freute mich tierisch darüber (s. Blog), als sich dann einen Tag später ein Festplattenfehler meldete, der sich nicht beheben ließ. Zweimal hab ich den Rechner aufgesetzt, bis ich schließlich aufgab und die Festplatte vom Händler tauschen ließ.
Doch das nächste Problem folgte prompt! Beim Einrichten meines Onlinebankings, ging mein Datentresor mit den Chipkarten-PINs verloren. Der Datentresor ließ sich nicht mehr öffnen. Tja, die Chipkarten von meiner Mutter und mir habe ich durch zu viele Fehlversuche dann erfolgreich gesperrt. Also hab ich bei der Bank neue Chipkarten für meine Mutter und mich angefordert. Als die Karten dann bei mir ankamen, konnte ich mein Onlinebanking vervollständigen. Was für ein Aufwand!
Dann hab ich mir in iTunes meine Mediathek zerschossen. Dumm gelaufen. Was schiebt man auch die Mediathek auf eine andere Partition! Gelegenheit, meine Mediathek aufzuräumen und neu zu sortieren. Hatte ja sonst nix zu tun, es soll ja keine Langeweile aufkommen!
Im Büro nur Stress! Komme die vergangenen Wochen nur noch total ausgebrannt heim und schaffe es nur noch auf meine Couch. Es bewahrheitet sich mal wieder der Spruch: “Arbeit geht dahin, wo sie erledigt wird.” Tja und so landet auf meinem Schreibtisch jeder kleine Sch****! Aber Hilfe ist in Sicht, unser neuer Chef hat für Verstärkung gesorgt. Bis dahin heißt es durchhalten. … Die Verstärkung fängt morgen bei uns an!
Die Betriebsratswahl hält mich auch in Atem. Verfahrensfehler bei der Organisation führte dazu, dass eine Fraktion eine einstweilige Verfügung beim Gericht erwirkte, dass die Wahl so nicht stattfinden darf. Das Unternehmen legt Einspruch ein. Einen Tag vor der Wahl soll die Entscheidung stehen, ob gewählt werden darf oder nicht! Spannend wie ein Krimi!
Und nun gab mein Fernseher vorgestern plötzlich seinen Geist auf. Kein Bild mehr, nur noch Ton und ein zarter Duft nach verschmorten Kabeln. Ein weiterer Versuch, das Gerät einzuschalten, ließ den Geruch noch wärmer und stärker werden. Es blieb mir nichts anderes übrig als schnell den Stecker zu ziehen. Das Gerät steht nun in meinem Kofferraum und wartet auf Entsorgung. Ein neues Gerät muss her! Meine finanzielle Situation ist somit noch etwas angespannter. Aber ich kann und will nicht auf Fernsehen verzichten.
Ich fürchte, ich hab ein Problem mit meiner Elektrik in der Wohnung. Das ist jetzt der 3. Fernseher in 10 Jahren, der so verreckt. Das sind 3 Jahre durchschnittliche Lebensdauer eines Fernsehers. Das ist definitiv zu kurz!
Positiv in den vergangenen Wochen war, dass ich wieder für eine Qi Gong-Stunde gebucht wurde. Hat wieder tierisch Spaß gemacht.
Weiterhin positiv ist, dass ich momentan die Energie habe, in der Fastenzeit auf Alkohol und Kohlenhydrate zu verzichten. Bis auf heute morgen: Stressabbau durch einen schönen Brunch mit Brezeln, Brötchen und Kuchen! Aber mit der nächsten Mahlzeit geht es wieder weiter. Seit gestern bewege ich mich wieder gezielter. Mein Gewicht geht langsam aber sicher runter! Dazu brauch ich auch den Fernseher
Das nächste Ziel lautet: Zurück zur Mitte gelangen! Meditation, TaiChi und wieder achtsamer im Hier und Jetzt sein. Dann schickt einem der Himmel auch kleine leise Botschaften, die man sonst im lauten Alltag all zu leicht überhört. Und konsequentes Workout!
So und nun geht’s raus in die Sonne!
Donnerstag, 11. Februar 2010
Schon wieder ein Jahr um!! ...
Das gleiche Modell, etwas besser ausgerüstet und dann noch etwas günstiger! Was will man mehr! Ein Schnäppchen also. Die Lackierung in einem neuen Metallicblau, dazu hellgraue Polster, dazu die Standard-Chromzierleisten. Mein Auto sieht echt edel aus. Ich bin schlichtweg happy!!
Der Fahrzeugtausch am Montag verlief perfekt. Die Fahrt war ruhig und das Wetter war wie bestellt, sonnig und trocken. Nicht so der Rest der Woche. Das weiße Zeug, das vom Himmel fällt, geht mir langsam auf Nerven. Zumal ich mein neues Auto gar nicht geniessen kann, wegen Sommerreifen. Das Auto gibt's halt ab Werk nur mit Sommerreifen und wegen den paar Wochen, will ich kein Geld mehr ausgeben. Also bleibt das neue Auto erst mal stehen.
Wegen dem Schneechaos holt mich ein Kollege ab, was ich sehr geniesse. Doch langsam dürfte der Winter ein Einsehen haben und sich wieder verkriechen. Ich habe Sehnsucht nach Frühling und hellem Licht mit bunten Blüten.
Montag, 8. Februar 2010
Online!!
Mein wurmstichiger PC liess sich nicht mehr wiederbeleben. Was also tun. Die Platte war eh schon rammelvoll und eine zweite Platte bereits seit längerem in Planung. So traf ich einen folgenschweren Entschluß. Ich kaufte mir eine gigantisch große interne Festplatte und dazu Windows 7 (64-bit.). Da ich beruflich auch mit der Einführung von Windows 7 zu tun haben werde, würde ich damit frühzeitig Erfahrungen sammeln. Und das tat ich in der Tat.
Die Partitionierung und Installation auf die neue Platte verlief überraschend schnell und einfach. Ich hatte bewusst Win 7 prof. gewählt, damit auch meine alten Anwendungen laufen können. Windows machte dabei überraschenderweise die wenigsten Probleme. Die Jungs und Mädels haben tatsächlich dazugelernt. Nach der Installation des Betriebssystems suchte ich meine Office-CDs - vergeblich. Weiß der Himmel wo ich die versteckt habe. Also traf ich den nächsten Entschluß: Betatester für Office 2010! Keine schlechte Wahl, denn das neue Office hat so seine Neuerungen, die mir richtig Spaß machen. Nur die Menüführung ist mehr als gewöhnungsbedürftig. Da muß ich noch bei Microsoft in die Schule gehen.
Mein PhotoShop installiert und mein Rechner tillt. Also wieder runter mit dem Programm. Mein Avira lässt meinen Rechner regelmässig in den Schockzustand geraten, wobei nur noch ein Kaltstart weiterhilft. Hier heisst es warten auf den Support. Nero 9 lässt sich plötzlich nicht mehr installieren. Mist! Meine Finanzsoftware machte dafür keine Probleme, aber der Chipkartenleser fragt nach einer PIN, die ich bislang nie brauchte. So war ich doch recht gut beschäftigt die Tage. So ganz läuft der Rechner immer noch nicht, aber es wird schon….
Sonntag, 7. Februar 2010
Glück gehabt!
Frühzeitig losgefahren und weil die Autobahn voll war, bin ich die Nebenstrecke durch den Wald gefahren. Duster und neblig war's, etwas unheimlich. Plötzlich sprang ein junges Reh auf die Straße. Ich stieg auf die Bremse, dass es nur noch quietschte. Und das Reh sprang weiter … Gott sei Dank! Denn auf der Gegenspur kam schon ein Auto angerauscht .
Da haben das Reh und ich doch richtig Glück gehabt! Dem Himmel sei Dank!
ELENA und die schöne neue Welt
Beim Lesen der Information kam mir schon der Gedanke nach Aldous Huxleys schöne neue Welt. Wir werden zunehmend digitalisiert und standardisiert . Begonnen hat es schon vor Jahren mit Marktforschung und Volkszählung. Da haben wir uns ja noch tierisch aufgeregt. Was gab es da für einen Aufschrei über die Volkszählung! Heute in 2010 regt sich keiner mehr auf, verzichtet doch kaum einer auf seine Kreditkarte. Die Kreditkartenbanken durchforsten unser Kaufverhalten anhand unserer Belege. Mittlerweile machen uns auch Webcams an strategischen Stellen, Handys, die unseren Weg begleiten und speichern und zu guter Letzt unsere Surftripps durchs WorldWide Web zunehmend gläsern. Und jetzt kommt ELENA. Freundlich unterstützt es unsere Bequemlichkeit.
2002 von der Bundesregierung mit der berüchtigten Hartz-Kommission ins Leben gerufen, sollte jeder eine eigene Job Card erhalten. Die Einführung kam stufenweise. Zuerst nur für Bescheinigungen für Arbeitslosengeld, Wohn-und Elterngeld. Jetzt sind alle sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und Beamte dran. Damit auch alle in den Genuss von ELENA kommen, besteht nicht nur eine Teilnahmepflicht, sondern auch eine Finanzierungspflicht. In 2009 wurde das Verfahren vom Bundesrat verabschiedet. Meine Arbeitnehmerdaten werden nun an zentraler Stelle abgelegt.
Der Arbeitgeber erstellt jeden Monat mit der Gehaltszahlung einen weiteren Datensatz, der nicht nur Name, Geburtsdatum und Versicherungsnummer enthält, sondern auch Fehlzeiten und Abmahnungen. Dabei soll mich beruhigen, dass nur jene Stellen meine Daten abrufen dürfen, die in dem Verfahren integriert sind. Arbeitgeber und Finanzbehörden sowie die Staatsanwaltschaft sind ausgeschlossen. Ich frage mich, wie lange? Freigesetzt vom Arbeitgeber, weiß die Agentur für Arbeit ganz genau was wir zuletzt verdient haben. Apropos, haben wir das verdient? Was wird wohl als nächstes kommen?
Irgendwann in der Zukunft benötigen wir keinen Gehaltszettel mehr, wenn wir unsere neue Küche finanzieren wollen oder einen neuen Kredit bei der Bank, beantragen wollen. Die Gesundheitskarte und der digitale Personalausweis sind lediglich Wegbereiter für das virtuelle Bürgerhaus. Und diese schöne neue Welt dürfen wir mit unseren Steuern und den zusätzlichen Gebühren finanzieren. Zum 01.11.2010 kommt dann der elektronische Perso im Scheckkartenformat mit Fingerabdruck. Dann kommt noch der ePass. Dann können wir uns im Internet jederzeit elektronisch ausweisen.
Und keiner schreit auf, keiner demonstriert! Welch schöne neue Welt, langsam wird es mir mulmig.
Sonntag, 24. Januar 2010
Das Jahr fängt ja gut an!
Nach Neujahr hab ich zuerst meinen Urlaub genossen. Bin komplett abgetaucht. Keine Arbeit, kaum Telefonate, keine Termine, nichts. Nur schlafen, essen, fernsehen und lesen. Und es tat mir gut.
Kaum im Büro angekommen, ging es gerade so weiter, wie es aufgehört hat. Als hätte es keine Betriebsferien gegeben! Hatte alle Hände zu tun, um meine Mails zu ordnen und meine Aufgaben zu strukturieren. Dazwischen Telefonate und Anfragen beantwortet. Unsere Abteilung wird umstrukturiert. Spannend, mal sehen was dabei raus kommt.
Es beginnt der Wahlkampf für den Betriebsrat, doch ich finde keinen Raum, aktiv mitzumischen. Nun kamen Anforderungen nach Beschaffungen und unser Budget ist noch nicht im System aktiviert. Grund, der zuständige Mitarbeiter und ein früherer Kollege von mir ist plötzlich und unerwartet gestorben. Ich war schockiert, bin es eigentlich immer noch. Vergangene Woche war die Beerdigung.
Ich fühlte mich komplett im falschen Film. Eine Gedenkfeier mit einer Ansprache, die mir den Magen umdrehte. Traurig genug, dass ein lieber Kollege unerwartet gestorben ist, doch nahezu 30 Minuten darüber zu reden, dass der Tod allgegenwärtig ist und jeden treffen kann und dann noch Bezug auf die Hinterbliebenen des Amoklaufs von Winnenden zu nehmen, brachten keinen Funken Trost. War man vorher noch zuversichtlich, war man hinterher komplett deprimiert. Die Angehörigen taten mir leid. Denn es war kein Wort des Trostes und der Zuversicht dabei. Dass dann die Kollegen und die Chefs es nicht für nötig befanden, einen Nachruf zu verfassen, brachte für meine Seele das Fass zum überlaufen. Skurril war dann noch ein Saxophonspieler, der sich am Grab bemühte, „Old Man River“ richtig zu spielen.
Ich habe hier eine komplett andere Einstellung, mag sein daß ich die Messlatte zu hoch lege. Eine Beerdigung ist immer etwas sehr Heikles und bestimmt nicht einfach. Doch die Angehörigen wünschen sich doch etwas, an dem man sich festhalten kann, einfach etwas Trost. Dazu gehört ein Nachruf. Keine lange Rede, jedoch eine kurze Ansprache, in der die Wertschätzung des Kollegen und Mitarbeiters fühlbar wird. Doch ich muss hier loslassen, es war nicht meine Aufgabe und es lag nicht in meiner Verantwortung. Ich war eine langjährige Kollegin, wobei ich meinen Kollegen nie ganz aus den Augen verloren habe. Seine persönliche Entwicklung war überaus positiv. Diese Veranstaltung wurde ihm absolut nicht gerecht. Nur gut, dass er viel schwarzen Humor hatte. Nur damit war das Ganze zu ertragen.
Tja, das eine Elend löste ein anderes ab. Ich hab auf meinem Rechner einen miesen Wurm eingefangen. Hintergrund, ich habe vor einer Woche ein Paket via DHL nach Frankreich verschickt. Nun stieß ich beim prüfen meiner Mails auf eine Mail mit dem Betreff: Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden. Absender: DHL.COM. Prompt hab ich das Mail geöffnet und Sekunden später erhielt ich die Meldung, dass mein System infiziert sei. Darüber hinaus waren wichtige Systemdateien deaktiviert und mein Antivirenprogramm konnte mir nicht nachhaltig weiterhelfen. Hab nun die vergangenen Abende damit verbracht, das Elend zu lösen. Heute musste ich akzeptieren, dass mein Rechner komplett neu aufgesetzt werden muß. Gott sei Dank hab ich Freunde, die mir helfen. Dennoch die Arbeit ist wegen dem Aufwand ein Horror für mich.
Meine Pläne für mich persönlich lösen sich gerade in Luft auf. Bleibe dabei erstaunlich ruhig. Keine dunklen Wolken am Horizont. Meine Finanzen machen mir mal wieder Kummer. Jahresanfang ist immer schwierig. Es stehen einige Dinge an und mein Spielraum hat sich nicht merklich verbessert. Doch ich will und werde es schaffen!
Dienstag, 5. Januar 2010
Samstag, 2. Januar 2010
Happy New Year! Ein glamouröser Jahresabschluß (Teil 2)
Hier das 3-Sterne-Menü vom Palazzo:
Feine Vorspeisenvariationen vomschottischen Lachs mit
Ananas-Mangochutney und Avocadodip
Ich war ja anfangs sehr skeptisch, hat mich aber sehr überzeugt. Überraschend gut haben die Meeresalgen geschmeckt.
Auf dem Bild oben zu sehen :-)
Spieß von Scampi und St. Jacobsmuschelauf Kokos-Risotto und Thai-Curryschaum
Für mich das erste Mal, daß ich Jacobsmuschel gegessen habe. War sehr gut! Durch das regelmässige Gucken von Kochsendungen weiss ich, wie gut gegarte Jacobsmuscheln aussehen müssen. ;-) In das Kokos-Risotto mit dem Curryschaum hätte ich mich reinlegen können!
Zweierlei vom Kalb mitKräuterkruste, glasiertem Gemüse
und Schalotten-Estragonjus
Hmmmmmmmmmmm lecker! Das Schalotten-Estragonjus hab ich zum Schluß mit Brot ausgestrichen. War zu schade für die Spülmaschine. :-D
Delice von Gubor-Schokolade mitKompott von exotischen Früchten
in Bananen-Maracujacouli
Hammer! Aber entschieden zu wenig. Hätte locker noch ne Portion verdrücken können. War aber für meine Figur besser so. :-?
Ich hoffe, ihr habt alle Hunger gekriegt! :-P
Da Weihnachten etwas anders verlief wie geplant, hatte ich an Silvester zunächst nichts besonderes geplant. Zumal der Kühlschrank noch voll war, mein Weihnachtsessen verlief dieses Jahr nicht ganz so üppig wie geplant. Als ich dann am 31.12. mittags die letzten Besorgungen machte, fuhr ich spontan zu meinem Stammitaliener. Ich wußte ja, daß er ein Silvestermenü mit Livemusik veranstaltet, wollte ja auch irgendwie hin, aber durch den vorweihnachtlichen Trubel habe ich vergessen, Mütterlein und mich anzumelden. Also fuhr ich spontan zu ihm hin und fragte nach, ob er noch 2 Plätze übrig hätte. Nach einer überaus freundlichen Begrüßung und längerem Schauen in sein Reservierungsbuch, blickte er mir lächelnd ins Gesicht und sagte mir, er hätte für mich und meine Mutter noch Platz. Ich strahlte, Mütterlein war etwas unschlüssig. Ich nahm ihr die Entscheidung entschieden ab :-D
Um 18:30 Uhr sollte es losgehen. Wir kamen pünktlich an. Zuerst gab es einen Prosecco für jeden zum Empfang. Zeit, sich ein bisschen umzuschauen und mit den anderen Gästen ins Gespräch zu kommen. Wir haben uns gegenseitig zugeprostet, ein bisschen Smalltalk betrieben bis wir uns dann an unseren Tische gesetzt haben. Die Band begann leise sich warmzuspielen. Wir bestellten unsere Getränke.
Die Vorspeise wurde serviert: Wildlachs-Quiche, Culatello (italienischer Schinken aus Zibello) mit Balsamicosauce, Crèpes gefüllt mit Schinken und einer Creme aus schwarzem Trüffel. Ein wahrer Genuss! Die Chefs des Hauses umsorgten uns Gäste, als gehörten wir zur Familie. Die Gäste waren allesamt festlich gekleidet. Der Chefkoch in seiner Kochmontur, der Maitre im Frack. Sie fragten nach, ob alles in Ordnung sei.
Während wir auf den 1. Gang warteten, fiel mir auf, daß der Chef mit dem Frack einem Pinguin ähnelte. Dazu passend seine etwas spitze Nase und seine leuchtenden Augen. Mütterlein und ich mußten lachen. Sollte man ja eigentlich nicht machen, denn der Abend ist mit diesem Bild im Kopf gelaufen. Ein ernstes Gespräch kam nicht mehr auf. Aber es war ja Silvester!
Der 1. Gang: Paccheri ( kurze, sehr breite Nudeln) mit geschmortem Kalb war eine kleine Sensation. Dieses Mal brauchte ich wieder Brot, um die letzte Sosse vor dem Spülgang zu retten. ;-)
Während dem Essen und bis zum 2. Gang verkürzte die Band die Wartezeit. Die Musik hatte mit Titeln aus den aktuellen Charts bis hin zu den wirklich guten Klassikern der 70er und 80er Jahren ein breites Spektrum. Kinder vom Nachbartisch tanzten dazu mit viel Vergnügen und wir sahen ihnen mit noch größerem Vergnügen zu.
Der 2. Gang wurde gereicht: Entrecôte mit Steinpilzen und Kartoffelgratin. Ich esse keine Pilze, aber für den Service kein Problem! Ich bekam den Teller ohne die Pilze.
Danach mußte ich mal kurz an die frische Luft gehen! Nicht weil der Magen schon voll war, vielmehr weil draußen einige Raketen hochgingen, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Dabei kam ich wieder mit einem anderen Gast ins Gespräch, die mußte raus wegen ihrem kleinen Hund und einer Zigarette. :-D
Als ich zurückkam wurde das Pre-Dessert serviert. Ja, so ein Dessert vor einem Dessert ist schon was feines. Ein Teller mit Schokolade von 60 % - 100 % und Rum. Sollte eigentlich Rum sein, war es aber nicht. Es war köstlicher! Ich fragte nach, was das sei und ich sah den Chef überrascht. Er roch in mein Glas, war etwas erstaunt, dann sagte er, das sei gekochter Wein.
Gekochter Wein oder Vino cotto ist eine Spezialität aus der Gegend von Marken, wo der Wein durch die wenige Sonnentage recht sauer ist und zum Lagern ungeeignet ist. Im Mittelalter hat man dann ein Verfahren entwickelt, diesen Wein für lange Zeit haltbar zu machen. Der Most wird bei gleichmässiger Temperatur bis zu 8 Stunden gekocht. Dabei verdunstet langsam der Wasseranteil im Wein. Das ist die Basis für den Wein. Gelagert im Holzfass wird jedes Jahr dieser Wein mit neuem gekochten Most aufgegossen. So nimmt der Wein an Reife zu. Es dauert bis zu 6 Jahre, bis er seine endgültige Reife hat. Mit dieser Methode wurde der Wein bis zu 80 Jahre haltbar!! Das aufwändige Verfahren macht den Wein zu einer Rarität. Ihn gibt es kaum zu kaufen. Und wenn, dann ist er sehr teuer. Man nennt diesen Wein auch heiligen Wein. Er wurde in der Familie streng verschlossen verwahrt und nur an besondere Gäste ausgeschenkt. Der Schlüssel wurde immer an den ersten Sohn weitervererbt. Bekommt man so einen Wein gereicht, ist das schon eine große Ehre.
Tja, da hat jemand wohl eine Lokalrunde mit diesem besonderen Wein ausgegeben.
Der krönende Abschluß war dann das Dessert, das aus einer hausgemachten Vernaccia-Panettone mit einer besonderen Patisseriecreme bestand. Danach waren wir piepsatt. Eigentlich wollten wir das Dessert nicht ganz essen, sondern nur probieren. Nur ein Löffelchen und noch ein Löffelchen .... ... und noch eines.... .......... und noch eines... plötzlich war das Glas leer :-D
Mit einem frischen Espresso verlangte ich dann Rechnung. Es war 23:30 Uhr als wir uns verabschiedeten, um bei mir zu Hause einem gigantischen hausgemachten Feuerwerk beizuwohnen, mit den Nachbarn anzustossen und jedem auf der Strasse ein "Guats Neu's" zuzurufen. Für Mütterlein und mich ein grandioser Jahresabschluß!
Habe ich eigentlich schon erwähnt, daß ich mich an die Sterneküche gewöhnen könnte? ;-)